Wie wichtig ist ein Ziel?

Man liest es überall. Wer erfolgreich sein will, muss sich Ziele setzen. Klingt vernünftig. Wer genau weiß, wohin er will, hat die besseren Chancen, dort auch anzukommen. Ich nehme an, dieses Ziele-setzen funktioniert für viele Menschen, sonst würde es wohl nicht so propagiert werden. Ich habe es selber auch schon sehr oft ausprobiert. Ich muss sagen, für mich ist es keine Option.

Nein, so stimmt es auch nicht ganz. Es ist schon eine gute Richtschnur. Man muss wohl auch genug Ehrgeiz haben, um damit arbeiten zu können. Ich habe keinen besonderen Ehrgeiz. Ich will zwar auch Dinge erreichen, aber nicht um jeden Preis und schon gar nicht, indem ich mich wie verrückt anstrengen muss.

Du musst wissen wo du hin willst

Wissen, wohin man will: Als Beispiel fahre ich sehr gerne alleine in Urlaub. Klar, ich habe ein grobes Ziel. Einmal war es Rügen. Ich bin also losgefahren in Richtung Rügen. Ums kurz zu machen, ich kam da nie an. Schade irgendwie, Rügen ist sicher sehr schön. Ich habe es einfach nicht geschafft, auf gerader Strecke zu bleiben. Mal war mir danach, die Autobahn zu verlassen um zu erkunden, was es in der näheren Gegend noch so gab. Dann war ich so begeistert von irgendeinem Ort, dass ich dort einige Tage zubrachte. Jemand erzählte mir von einem anderen Ort, den ich unbedingt besuchen müsste, was ich dann auch tat. Und so war es dann eben, dass ich einen traumhaften Urlaub verbrachte, aber eben nicht da, wo ich ihn eigentlich verbringen wollte.

Soviel zu Wissen, wohin mal will. Ich kann für mich nichts negatives daran finden, dass ich mich nicht an meinem Ziel ausgerichtet habe. Hätte ich doch sonst all die wundervollen Erlebnisse und Eindrücke nie gehabt.

Das Leben muss immer über dem Ziel stehen

Trotzdem finde ich, dass man sich ein Ziel setzen soll. Natürlich, es ist wichtig zu wissen, wohin man im Leben steuern will. Aber man muss sich auch auf das Leben einlassen. Einfach nur stur einem Ziel folgen, macht blind für all die Geschenke, die das Leben für einen bereithält. Wenn man zu starr auf sein Ziel fixiert ist, kommt man wahrscheinlich früher und bestimmt dort an, aber eben um den Preis, dass man das Leben verpasst. Denn, was ist denn Leben? Es ist doch nicht das Große, was auf uns wartet, sondern die vielen kleinen und unbedeutenden Ereignisse auf unserem Weg. Je mehr wir sie mißachten, desto farbloser und langweiliger wird unser Leben.

Das kann man auch schön sehen an den Menschen, die täglich den gleichen Weg zur Arbeit fahren. Fragt man sie, ob sie diese oder jene Besonderheit abseits der Straße schon besichtigt haben, schauen sie meist ganz erstaunt. Haben nie davon gehört oder eben nie die Muse gehabt, sich dorthin zu begeben. Es sind dann diejenigen, die sich ohne Murren in jedem Urlaub stundenlang durch die Staus quälen, um diesen an einem spektakulären Ort zu verbringen. Sie nehmen gar nicht wahr, dass sie selbst in einer spektakulären Gegend wohnen.

Bleib der Herr über dein Ziel

Sich allzu sehr festzulegen führt dazu, dass man innerlich abstumpft. Man sieht die Blume am Wegrand nicht mehr. Solche Menschen lassen sich von den Umständen überrennen und merken nicht, dass sie immer weniger Herr über ihr Leben sind.

Also, damit ich hier nicht falsch verstanden werde, ich halte Zielsetzung für sehr sinnvoll. Aber sie soll nur als Instrument dienen, damit wir es leichter haben. Sobald wir uns ihr unterordnen und nur noch nach der Zielvollendung leben, geben wir Macht ab und machen uns selber schwach.

Ein Ziel setzen, danach streben es zu erreichen und parallel dazu das Leben annehmen, ist ein weit stressfreierer Weg, der relativ mühelos genauso dahin führt oder wie im Fall Rügen ganz viele Überraschungen bereithält und ebenso erfolgreich ist.

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