Minimalismus ist Leben

Ich kann es nicht mehr nachvollziehen, wann mich das Fieber des Minimalismus gepackt hat. Ich glaube, schon sehr früh. Damals aber nur rein theoretisch. Ich fand die Idee gut. Tatsächlich aber lebte ich völlig gegensätzlich. Ich gehörte immer zu den Menschen, die grundsätzlich von allem zuviel hatten. Nun ja, in meinem Umfeld war das nicht viel anders. Alle hatten zu viel von allem.

Vielleicht hat es auch einfach was mit Alter zu tun, oder mit Zeitgeist. Bei mir sicher mit beidem. Ich bin in einem Alter, wo man einfach schon alles zumindest mal hatte, und der Trend unserer Zeit geht stark in Richtung Reduktion.

Du fühlst dich wohler mit weniger

Eigentlich ist es auch völlig egal, weshalb ich mich entschlossen habe, puristisch zu leben oder was wohl die Auslöser waren. Wichtig ist, daß ich mich mehr und mehr wohl fühle, seitdem ich immer mehr reduziert lebe. Mein Leben ist um so vieles einfacher seitdem. Wenn ich morgens meinen Kleiderschrank öffne, dann schaue ich nicht auf eine unübersehbare Wand aus Textilien und muß mich durchwühlen, um etwas passendes zu finden. Nein, ich öffne den Kleiderschrank und schaue auf einige überschaubare Kleidungsstücke, die auf Bügeln aufgereiht sind. Dazwischen ist genug Platz, um sie hin- und herzuschieben und sofort zu identifizieren. Auch sehe ich sehr schnell, was ich an Neuem brauche und wie es zu den bereits vorhandenen Stücken passen soll.

Beim Essen ebenso. Ich habe mein Geschirr, meine Küchenarbeitsgeräte und meine Essensvorräte so übersichtlich eingeteilt, daß ich immer mit einem Griff genau das schnell habe, was ich haben will. Ich brauche keine überflüssigen Schüsseln zur Seite räumen, um an meine Teller zu kommen. Ich muß auch nicht in der Schublade nach dem richtigen Messer suchen. Alles, was ich brauche, ist so angeordnet, daß ich es sofort greifbar habe, und es gibt auch nichts sinnloses, was da noch so herumliegen würde.

Meine Arbeitsunterlagen, meine Putzsachen, meine Pflegemittel, alles was ich routinemäßig brauche, ist von ausgesuchter Qualität und unter dem Gesichtspunkt, so wenig wie möglich, vorhanden. Ich brauche keine zig Cremes für verschiedene Körperregionen oder verschiedene Putzmittel für alle möglichen Materialien. Ich versuche immer, etwas zu kaufen, was mehrere Funktionen erfüllt.

Wenige Dinge sparen Geld

Das spart richtig Geld. Seitdem ich bei Nahrungsmitteln so genau hinschaue, kann ich es mir leisten, nur Naturbelassenes einzukaufen und gebe trotzdem weniger Geld aus, als früher. Das stimmt wirklich und überrascht mich selbst. Doch es ist so. Seitdem ich bewusst und aufmerksam einkaufe, achte ich viel mehr auf Qualität und esse wohl auch mit mehr Respekt, um es mal so auszudrücken. Ich käme gar nicht auf die Idee, meine Nahrung vergammeln zu lassen und wegzuwerfen. Essen wegwerfen war nie mein Ding, aber früher ließ sich das oft gar nicht vermeiden. Es verführt einfach viel mehr, mehr zu kaufen, wenn man im Supermarkt aus zu vielen Produkten auswählen kann.

Wenige Entscheidungen treffen spart Zeit

Ich habe auch viel mehr Zeit. Tatsächlich, man merkt es selber ja gar nicht, wie viele Sekunden oder auch Minuten draufgehen, wenn man nach einem passenden Kleidungsstück sucht. Es kostet Zeit, wenn auch nur kaum merkbare, aus dem Schrank einen Teller zu holen und unbewußt sich zu entscheiden, welchen ich denn nun nehmen will von den vielen, die sich da vor mir auftürmen. Wenn wir viele Dinge haben, müssen wir uns zwangsläufig immer wieder entscheiden, nehme ich das rote Handtuch oder doch lieber das blaue. Das klingt vielleicht banal, aber das x-mal am Tag zu machen, kostet Zeit und auch Energie.

Minimalismus spart Energie

Energie ist dann auch der nächste Punkt, den ich herausstellen will. Ich spare Geld, ich spare Zeit, und ich spare Energie. Jede Bewegung, jede Überlegung, die wir machen kostet automatisch Energie. Das ist wie beim Autofahren. Wenn man noch unsicher ist, muss man bei jedem Schalten, Bremsen und Lenken überlegen, wie das nochmal zu bewerkstelligen ist. Das ist anstrengend und macht müde. So ist es auch mit überfrachtetem Alltag. Wir werden viel schneller müde, weil wir uns mit so vielen sinnlosen Bewegungen und Überlegungen herumplagen.

Und nochmal – Minimalismus ist Leben

Es hat also nur Vorteile, wenn wir reduziert leben. Erst, wenn Routine quasi im Hintergrund abläuft und uns nicht ständig als Stolperstein im Weg liegt, haben wir Gelegenheit, uns auf die wirklichen Aufgaben in unserem Leben zu besinnen. Wir kommen in Kontakt mit uns selbst.

Was will ich hier in diesem Leben.

Was ist mein Auftrag

Wozu bin ich hier

Was ist es denn, was mich so richtig in Wallung bringt und mein Leben bereichert

Nur wer sich mit diesen Fragen beschäftigen kann, lebt doch erst wirklich. Und das ist es doch, was wir alle wollen. LEBEN.

Auch die, die jetzt skeptisch anmerken, dass sie schließlich den ganzen Tag arbeiten und keine Zeit finden, sich damit zu befassen, auf überflüssige Dinge in ihrem Leben zu achten, auch denen möchte ich sagen, dass es auch funktioniert, wenn man nur zehn Minuten jeden Tag drauf verwenden, sich damit zu beschäftigen. Glaubt mir, es lohnt sich.

Weniger ist mehr. Diese Binsenweisheit stimmt. Es macht dein Leben einfacher, besser, lebbarer

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